Johnny Bruck prägte die deutsche Science Fiction wie kein zweiter. Aber
nicht als Autor, sondern als Cover-Illustrator vor allem der PERRY
RHODAN-Serie. In seinen prächtigen, sehr fantasievollen Bildern wurden
die Abenteuer des SF-Helden, der seit 1961 über 2300
Heftroman-Abenteuer erlebte, auf den ersten Blick in ihrer ganzen
Faszination spürbar.
Herbert Johannes Bruck wurde am 22. März 1920 in Halle a.d. Saale geboren. Die
ersten sechs Jahre seines Lebens verbrachte er in Großbritannien, ein
Umstand, der zu einer lebenslangen Verbundenheit mit der Insel führte,
äußerlich belegt durch die stets präsente Schottenmütze und eine
gesellige Flasche Glenfiddich.
Nachdem er in die Elbemetropole zurückgekehrt war, zeigte sich rasch
seine künstlerische Neigung. Bereits mit sieben Jahren zog es den
kleinen Jungen nach der Schule in den Zoo Hagenbeck, um Tiere zu malen.
Seine künstlerische Leidenschaft wurde nur noch von seinem Eigensinn
übertroffen: So riss er mit vierzehn Jahren von zu Hause aus und
versteckte sich als blinder Passagier auf einem Dampfer mit Ziel
Südamerika. Das Abenteuer endete zwar schon nach zwei Tagen,
untermauerte aber Brucks hervorstechende Charaktereigenschaft, nie mit
den Wölfen zu heulen.
Zwischen 1936 und 1938 erlernte er den Beruf des Fotolitographen.
Nebenbei belegte er drei Semester Aktzeichnen, aber außer
Bekanntschaften sprang kein größerer Gewinn bei den Kursen für ihn
heraus. Bruck verstand sich als Autodidakt.
1938 meldete er sich zur Kriegsmarine. »Nachdem ich im Kanal und in der
Biskaya dank Minentreffern dreimal abgesoffen war, lernte ich im
Lazarett den damals bekanntesten Kriegsberichtszeichner Hans Liska
kennen, der mir zum Vorbild wurde.« Brucks eigene Skizzen überstanden
den Zweiten Weltkrieg nicht. Sie verbrannten alle.
Einen Tag vor der Kapitulation Nazi-Deutschlands wurde Bruck vom
Kriegsgericht zum Tode verurteilt – weil er einen Heimaturlaub um zehn
Stunden überzogen hatte. Die Vollstreckung wurde vom Kriegsende
verhindert. Durch die Vermittlung seines Freundes Felix Graf Luckner,
der den berühmten »Seeteufel« verfasst hatte, wurde Bruck vorzeitig aus
englischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Bruck revanchierte sich und
illustrierte die erste Nachkriegsausgabe des Romans. Es war sein
Einstieg in die Welt der Titelbild-Malerei.
Er malte die Cover für die Heftserien »Rolf Torring's Abenteuer« und
»Jörn Farrow's U-Boot-Abenteuer«. Als Ferienaushilfe für einen Freund
übernahm er eine Weile die beliebte Westernserie »Billy Jenkins«, und
schließlich kam mit der »Utopia«-Reihe der erste Kontakt in Sachen
»Zukunftsroman« zustande, wie man die Science Fiction damals noch
nannte. 1957 folgte der Wechsel zur Konkurrenz »Terra«, die im
Moewig-Verlag erschien. Damit hatte Bruck seine verlegerische Heimat
gefunden. Und ab 1959 auch seine Wahlheimat, als er von Goslar nach
München in die Stadt seines Arbeitgebers umzog.
Als 1961 PERRY RHODAN konzipiert wurde, beauftragte man Bruck mit der
Erstellung der Titelbilder und Innenillustrationen. 35 Jahre lang kam
er dieser Aufgabe nach, die ihn zum Dreh- und Angelpunkt der deutschen
Science Fiction machte. Denn in den Jahrzehnten vor »Star Wars« waren
es vor allem Brucks imposante Darstellungen von Weltraum, Technik und
fremden Wesen, die Heerscharen von Lesern zur SF lockten.
Bruck arbeitete mit schnell trocknenden Acrylfarben und nutzte häufig
die Möglichkeiten der Fotomontage. Der ständige Termindruck forderte
dennoch seinen Tribut. »Ich muss oft klitschen, damit der Laden läuft«,
gab Bruck unumwunden zu. »Ich selbst bin nur selten zufrieden, weil ich
Superbilder malen könnte, wenn ich a) die Zeit und b) das Honorar
amerikanischer Zeichner hätte.«
Neben seinen fantastischen Gemälden für PERRY RHODAN ging Bruck auch
anderen künstlerischen Interessen nach. Nach wie vor malte er zum
Ausgleich leidenschaftlich gern Tiere. Und für die Regionalzeitungen
rund um den Ammersee, wo er seit 1966 wohnte, nahm er mit großer Lust
die bayrische Lokalprominenz mit trefflichen Karrikaturen aufs Korn.
Wie er das alles möglich machte, erklärte er ganz salopp: »Mein
Geheimnis ist leicht entschleiert: Ich habe eine fantastische Frau, die
nur halb so jung ist wie ich, und wohne zwischen Großkapitalisten am
Ammersee. Ich bin täglich zwei bis drei Stunden mit dem Radl im Revier,
trinke gern Whisky, bin mehr als fleißig und habe eine gesunde
›Rutsch-mir-den-Buckel-runter‹-Stimmung gegenüber dem Verlag.« Und
obwohl ihn die PERRY RHODAN-Fans vergötterten, blieb er bescheiden der
»Handwerker mit künstlerischen Ambitionen«, wie er sich selbst 1976 in
einem Gespräch bezeichnete.
Verlag, Redaktion, Autoren und Fans blieben ihm treu ergeben, noch
weitere fast zwanzig Jahre. Als Johnny Bruck am 6. Oktober 1995 an den
Folgen eines Verkehrsunfalls starb, ging eine Ära zu Ende.



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